Wiener Eck (Teil 1)

Ich bin jetzt seit dem 21. Februar in Wien, also seit zweieinhalb Wochen. Ich habe mit meiner Arbeit im Vienna International Centre (VIC oder auch UNO City) angefangen, hatte aber auch die Gelegenheit, einige der Sehenswürdigkeiten Wiens (siehe Fotos) zu besuchen.

Nachdem ich in der Manchester Gemeinde so nett und musikalisch verabschiedet worden bin, habe ich versprochen, ab und zu einen Bericht aus Wien abzufassen. Hier ist das Resultat meines ersten Versuches – ein persönliches Blog „Wiener Eck“.

Mit meinem ersten Besuch aus Amsterdam ab ins Cafe Central!

Erst gestern habe ich meinen Computer und meinen Bildschirm aufgestellt, sodass ich überhaupt in der Lage bin, diese Zeilen zu schreiben. Meine Sachen aus England kamen erst am Freitag an; sie waren seit dem 13. Februar unterwegs gewesen. In der letzten Woche in Manchester hatte ich eine leere Wohnung, und die Familie Schumacher war so lieb und freundlich, mich zu beherbergen. Ich bin super dankbar für ihre Gastfreundschaft und glaube zu wissen, dass sie lebt wie Christus uns gelehrt hat, wenn ich an Matthias 25:40 denke, „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Blick von Schloss Belvedere auf das Untere Belvedere. Ich habe jetzt eine Jahreskarte.

Meine leere Wohnung in Didsbury hat die treuen und liebevollen Frauen aus der Frauenkreis „Forever Young“ jedoch nicht von einer Party abgehalten. Alle kamen mit einem Stuhl oder haben eine andere Sitzgelegenheit angeschleppt und hatten ein Glas oder Becher in der Hand, da ich nichts – absolut nichts – in der Wohnung hatte außer einem Gymnastikball. Einen besonders raffinierten Stuhl brachte Sabine mit – mit integrierter Glashalterung in der Armlehne! Diese haben wir sofort mit einem Glas Sekt erfolgreich getestet. Es war ein sehr lustiger Abend bei fröhlichen Gesprächen und bestellter Pizza, Knabberzeug und Gurkenscheiben (letztere von der ernährungsbewussten Uli mitgebracht). Der Abend war für mich persönlich auch etwas traurig, da es für mich hieß, Abschied zu nehmen. Es wurde jedoch beschlossen, in der Zukunft einen Frauenkreis-Treffen in Wien bei mir abzuhalten. Ich freue mich schon darauf!

Mein Gymnastikball ist mit mir nach Wien im Gepäck mitgereist. Zweieinhalb Wochen lang habe ich ihn als Stuhl benutzt und habe auf einer Luftmatratze geschlafen. Nach der Lieferung meiner Sachen war ich sooooo dankbar und finde es einfach wunderschön und herrlich, wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen und auf einem Stuhl mit Rückenlehne zu sitzen! Oftmals gehen wir durch den Alltag, ohne solche kleinen Dinge zu bemerken. Wir sollen wirklich schätzen, auf einem Stuhl zu sitzen, in einem Bett zu schlafen und andere Segnungen. Ist das nicht wirklich himmlisch? „Sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus“, Epheser 5:20.

Abendstimmung an der Alten Donau nahe meiner Wohnung

Vor meiner Abreise nach Wien ist Ursula gestorben. In derselben Woche verlor ich auch andere Menschen: eine Kollegin aus London, ein Kollege aus Italien und meinen Onkel Glenn. Es schien mir, dass – obwohl Wien für mich ein neuer Anfang sein sollte – mein Leben von Tod und Trauer überschattet war. Am Abend vor Ursulas Tod habe ich ihr eine Nachricht geschrieben. Es war der 31. Vers in Isaiah 40: „But they that wait upon the Lord shall renew their strength; they shall mount up with wings as eagles; they shall run, and not be weary; and they shall walk, and not faint.“ Dies ist unsere Hoffnung. Ursula fliegt jetzt mit Adlersflügeln.

Mit schwerem Herzen musste ich vor Ursulas Beerdigung nach Wien fahren. Im Leben folgt auf jeden Abschied ein neuer Anfang. An dem Tag, an dem ich in Wien ankam, hat meine Tochter aus München mich vom Flughafen abgeholt, um mich zu meiner neuen Wohnung in Donaustadt zu begleiten. Sie kam eigentlich auch, um mir eine Nachricht zu übermitteln: Sie erwartet ein Kind. Halleluja, ich werde zum allerersten Mal Oma. Ich freue mich natürlich riesig. Das graue Betrübnis von Tod und Trauer wich etwas, um dem Frohsinn der Erwartung auf ein neu entstehendes Leben Platz zu machen. Haucht dies nicht unsere Seelen ein? Gedanken an das Osterbotschaft kommen hoch. Leben und Tod oder Tod und Leben. Ich denke auch an das sehr bekannte biblische Gedicht in Prediger 3, „Alles hat eine bestimmte Zeit, und jedes Vornehmen unter dem Himmel hat seine Zeit. Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; Pflanzen hat seine Zeit, und das Gepflanzte Ausreißen hat seine Zeit.“ (Vers 1-2). Das Leben ist ein Kreis. Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende, wie die dazugehörige Zahl π unendlich Nachkomma-Stellen hat. Ein Kreis spiegelt Gottes Ewigkeit wider.

Bekenntniskirche, 22. Bezirk, Wien

Ich wünsche euch alles Gute aus dem fernen Wien. Ich hoffe, beim nächsten Mal über die evangelische Gemeinde meines Stadtteils (Foto der Kirche und des Stadtteils) berichten zu können.

Servus und baba.

Eure Melissa am 10.3.2019 aus Wien